Bei Filipe hielt ich es einfach nicht mehr aus. Er war mir zu anstrengend. Außerdem wollte seine Mama mich bei meinen Eltern verpetzen.
Auf dem Weg zu Fabian wurde ich erstmal von einer roten Ampel aufgehalten.
Die Straße von Hückeswagen nach Wipperfürth war der Horror, ich hasste es, die meisten hier hatten sich ihren Führerschein im Internet ersteigert.
Nach einer halben Stunde kam ich bei Fabians Familie an. Seine Familie war etwas größer, da war ich mir nicht so sicher, ob ich irgendwo da noch Platz finden würde.
Ausgerechnet Fabians Vater öffnete mir die Tür, nachdem ich drei mal, wie gewohnt, geklingelt hatte.
"Eh...Hallo, ehh.. ist Fabian da?" Ich war voll süß, wenn ich schüchtern war, hihi. Was hatte ich für Gedanken? Ich hatte Angst vor mir selbst.
"Moment." Sagte er nur und verschwand drinnen.
Danke, dafür das ich hier draußen stehen durfte - sehr gastfreundlich.
"Oh, Hi Basti. Alles gut?" Strahlte Fabi mich an und lehnte sich an die Tür.
"Du bist doch mein bester Freund ne?" Grinste ich ihn an und wartete auf ein Ja.
"Ähhh, ... ich wusste das du nur vorbeikommst, wenn du irgendwas willst. Also was willst du?" Sein Lächeln verschwand und er sah mich ernst an.
"Neeein, quatsch. Ich besuch dich nur mal so und das für eine ganze Woche. Na? Klingt es toll oder was?" Ich klopfte ihm auf die Schulter und war mir sicher, er hätte nix gegen.
"Moment. Warte. Basti? Wie eine Woche?" Fabian war verwirrt.
Ich stellte meinen Koffer vor mir ab und fuhr mit einer Hand durch meine Haare. Jetzt bitte was schlaues einfallen lassen...
"Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte. Fabi, ich kann nicht nach Hause, bitte, bitte, bitte..." Flehte ich ihn an. Super, schlaues Denken gehörte wohl nicht zu meinen Stärken.
"Hm, ja okay. Aber ich muss erst meine Mutter fragen. Komm erstmal rein und flitz schon in mein Zimmer mit deinem Koffer." Fabi half mir fürs Erste so.
Solang er mit seinen Eltern sprach, ging ich auf Fabis Zimmer und legte meine Sachen dort ab.
Fabian kam eine kurze Zeit später auch nach und sah mich nachdenklich an.
"Wird wohl schwer werden. Sie fragen warum du in der Woche bei mir schlafen willst. Meine Familie hat kein Verständnis dafür." Sein ernstes Gesicht sagte alles.
"Oh toll, sag einfach, das meine Eltern verreist sind." Fiel mir spontan ein.
"Basti, was wenn die bei uns anrufen?" Fragte er mich voller Sorge.
Oh, Fabi war genauso wie seine Mutter, er machte sich immer viel zu viele Sorgen.
"Na komm erstmal mit runter." Er wank mir zu und verließ als Erster das Zimmer.
Wie er wollte, ich folgte ihm nach unten und begrüßte seine Mutter, die Schwester, den Bruder und den Vater hatte ich schon.
Dann startete Fabi wieder eine Konversation mit seinen Eltern, da ich die Sprache nicht verstand, stand ich nur da und grinste dumm in die Runde.
Die hatten schon ein schönes Haus, zwar war es bei Filipe schöner, aber dieser war auch reicher...
Ich wurde aus den Gedanken gerissen, als mir Fabi seinen Ellenbogen in meine Seite gerammt hatte.
"Auuuu." Ich sah ihn blöd an und hielt meine schmerzhafte Stelle.
"Meine Mutter hat dich was gefragt" zischte er und sah mich streng von der Seite an.
"Eh... ja." War meine Antwort. Anstatt nachzufragen was die Frage war. Tja, ich hatte eben das Talent für dumme Antworten.
Fabi klatschte sich die Hand an die Stirn und schüttelte seinen Kopf. Die Mutter sah mich nur verwirrt an und die Schwester kicherte.
Peinlich, peinlich.
"Ich habe gefragt wie lange deine Eltern wegbleiben." Fragte sie erneut.
"Oh, ehh ja .. eh... eine Woche." Lächelte ich sie freundlich an.
"Und sie wissen bei wem du dich aufhälst?" Fragte nun der Vater.
War ich ein Verbrecher? Oder warum kam es mir so vor, als sei ich beim Verhör?
Nickend beantwortete ich auch die weiteren Fragen und irgendwann wurde ich endlich entlassen. Feierabend.
Na Gott sei Dank. Endlich durften wir wieder auf sein Zimmer gehen. Ich freute mich schon drauf mit ihm Fifa zu zocken.
Grinsend hüpfte ich in sein Zimmer rein und drehte mich zu ihm um.
"Na, was machen wir jetzt?" Fragte ich ihn.
Er setzte sich an seinen Schreibtisch, sah zu mir hoch und zog eine Augenbraue hoch.
"Na, ich hoffe du hast deine Schulsachen bei, dann können wir für die Schule lernen." Sagte er und kramte seine Sachen raus.
Mir klappte das Kinn herunter. Was bitte?
"Dein Ernst? Fabian???? Lass uns mal lieber zocken!" Ich schlug sein Buch zu und legte ihm das Spiel auf den Tisch.
"Sebastian, nein! Wir lernen jetzt." Das war sein letztes Wort.
Na dann. Er widmete sich seinen Aufgaben und ich legte mich hin und spielte mit meinem Handy. Er hatte doch einen Knall. Ich lerne doch nicht an freien Tagen? So ein Spinner.
Um Punkt 18 Uhr klingelte Fabians Wecker. Ich lachte auf.
"Eh? Dein Wecke klingelt aber früh!" Ich musste ihm immer wieder einen Spruch reindrücken.
"Abendessen." Sagte er, stand auf und forderte mich auf ihm zu folgen.
Für sowas machte er sich einen Wecker? Er war doch vollkommen bescheuert.
Alle setzten sich an einen Tisch und fingen an zu essen. Bei ihnen war es so komisch. Die sagten kein Wort beim Essen.
Das klang nur allzu nach einem Streich. Das durfte ich mir einfach nicht entgehen lassen.
Grinsend zog ich mein Handy raus, natürlich unauffällig und schrieb Fabi eine SMS mit dem Inhalt: "Achtung, hinter dir ist eine FETTE Spinne :-("
Verschickt. Es blieb nur noch die Reaktion abzuwarten.
"AHHHHH." Er sprang auf und kippte dabei fast den Tisch um.
Seine Eltern guckten ihn wütend an. Und ich konnte nicht mehr vor Lachen.
"Entschuldigung." Entschuldigte er sich und sah mich sauer an.
Das war ein geiler Abend. Nun mussten wir uns Bettfertig machen.
Ich schlief bei Fabi mit, da er zwei Betten hatte, der Bruder schlief solange woanders.
"Gute Nacht, Fabiii. Lass dich nicht von Spinnen anmachen." Lachte ich.
"Halt deine Fresse." Er machte das Licht aus und der Spaß war vorbei.
Die Nacht war sehr schön, ich schlief wie ein Baby. Babys hatten es einfach am Besten.
Ein lautes Klingeln weckte mich, ich drehte mich seufzend auf die andere Seite und versuchte weiterzuschlafen.
"Basti, steh auf." Flüsterte Fabi mir zu.
"Hm?" Verschlafen öffnete ich meine Augen und wagte einen Blick auf die Uhr.
BITTE WAS? 5 UHR MORGENS?!!!
"Fabi, wir haben 5 Uhr Morgens! Schlaf weiter." Ich verdrehte die Augen und versuchte wieder zu schlafen.
"Ich weiß. Zeit um Joggen zu gehen ! Hallo?" Er zog meine Decke weg und forderte mich aufzustehen.
Was für Joggen????? Niemals im Leben. Nur über meine Leiche!!!
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