Ob Filipe mich wollte oder nicht, ich war auf dem Weg.
Da lief ich Trottel tatsächlich nur mit Shirt und Jogginghose durch die Gegend. Alle starrten mich an als hätte ich sie nicht mehr alle.
Die Blicke wurden mir langsam zu lästig, also tat ich so als würde ich joggen, denn Jogger sind hart und laufen ohne Jacken.
Anstatt zu Joe zu laufen, der ebenfalls in Wipperfürth wohnte, lief ich bis nach Hückeswagen.
Joggen machte fit und so konnte ich ein paar Kilos abnehmen.
Abnehmen hin oder her, ich hatte keinen Bock auf diesen Mist.
Also packte ich mir den nächsten Bus.
Die Türe schloss er zum Glück in der mitte auf, so musste ich nicht an dem Busfahrer vorbei. Was sollte ich denn da auch ohne Ticket?
Kurz darauf nahm ich Platz auf einem ...Platz. Da saß ich nun, müde und außer Atem, beobachtete die Typen im Bus, die alle dieselbe Frisur trugen wie ich. Angst.
Und es musste ja so kommen, an der nächsten Haltestelle stieg ein Fahrgastzähler ein und kontrollierte die Leute vorne.
Schnell stand ich auf und drückte die ganze Zeit auf den 'bitte halten'-Knopf.
Mir war klar das er dadurch auch nicht schneller anhält, aber ich musste hier raus.
Zum Glück hielt er schon an der Haltestelle, ich rannte aus dem Bus und fühlte mich trotzdem verfolgt.
Endlich war ich bei Filipe. Endlich, endlich, endlich.
Kaum war ich an seinem Haus, war er schon draußen mit seiner Mama.
"Bruder, was machst du hier? Hahahahahahhahahaha. Du hast deinen Schlüssel vergessen!" Er lachte mich aus, seine Mutter schüttelte nur den Kopf.
"Filipe, hol Basti bitte eine Jacke von dir." Befahl ihm seine Mama und er tat dies.
"Das kann mal passieren." Sagte sie lächelnd in der Hoffnung mich damit aufzumuntern.
Klar lächelte ich zurück, aber nur weil sie so nett zu mir war. Mein Lächeln verschwand, als mir bewusst wurde, das die grade dabei waren wegzufahren. Mist, nein.
"Hier, bittesehr. Du kleiner Obdachloser!" Filipe kam lachend zurück und legte mir seine Strickjacke um die Schultern.
"Danke, Blödmann!" Bedankte ich mich bei ihm.
"Bitte, Spasti." Ja wir hatten uns lieb, ich mochte ihn wirklich sehr...manchmal.
"Wohin fährt ihr jetzt, müsst ihr weg?" Fragte ich die beiden verwirrt.
"Wir fahren zu meiner Oma, die hat Geburtstag." Filipe lächelte. "So, tschö. Hau rein. Bye. Ciao. Bis morgen."
"Steig ein Basti, wir fahren dich noch nach Hause. Vielleicht sind deine Eltern schon da." Sagte seine Mama und stieg ein.
Filipe war bereits auch eingestiegen und ich stand da wie ein Stein.
"Eingeschlafen? Steig doch ein." Filipe hetzte, er hatte es wohl eilig.
Ich stieg ein und wir fuhren los. Hoffentlich waren meine Eltern schon da.
Da ich in meinem Gedanken versunken war, merkte ich nicht das wir schon da waren.
"So, Basti. Da sind wir." Seine Mama riss mich aus meinen Gedanken.
Aus dem Fenster sah ich das Auto von meinen Eltern. Erleichtert schnallte ich mich ab, stieg aus und verabschiedete mich noch schnell von Filipe.
"Wo wart ihr Coolen?" Fragte ich meine Eltern, die sahen mich wenig begeistert an und gingen rein.
"Wo warst du eigentlich? Und warum sieht es hier so schlimm aus? Das Licht ist überall an..." bla bla bla. Bla bla bla bla bla bla bla bla ... "Sebastian? Ich hab dich was gefragt." Mein Vater musste sich immer wiederholen.
"Ehhhh ... ja. Tschuldigung." Für was auch immer, worum ging's?
"Du bist echt unzuverlässig." Kopfschüttelnd ging er in die Küche.
Labber nicht , dachte ich mir nur und verschwand auf's Zimmer. Dort packte ich meinen Koffer, mein ganzer Kleiderschrank war dabei und mein Koffer war kurz vorm Platzen. Er wog bestimmt mehr als ich, ich wusste jetzt aber auch nicht mehr genau wie viel ich wog.
Den restlichen Tag verbrachte ich in meinem Zimmer und zählte die Apps die ich auf dem Handy hatte.
Montag !! Es war soweit. Abschlussfahrt mit der schönsten Klasse des Universums. Ja, ich war heute sehr ironisch. Man durfte mich nicht falsch verstehen.
Ich kam mir vor wie Hulk, als ich den schwersten Koffer der Welt in den Flur transportierte.
"Schatz, iss schnell was." Jetzt ging das schon wieder los. Meine Mama war am Morgen viel zu anstrengend.
"Kein Hunger. Tschö."
Sie kam aus der Küche raus und zerquetschte mich erstmal. So als würde sie mich nie wieder sehen.
"Mama....du siehst....mich wieder......Luft....." sie ließ mich los und ich kriegte wieder Luft. Puuuh, Hi Welt.
"Also. Nicht trinken, nicht kiffen, nicht rauchen, keine Partys, ruf mich an..." die Regeln des Lebens.
"Mama? Tschö. Ich werde schon nicht sterben und wenn, dann lass ich es dich wissen." Lachte ich. Sie sah mich finster an, ein weiteret Grund um kommentarlos abzuzischen.
Weg war ich, den Koffer schleppte ich hinter mir her, als würde ich den größten Felsen hinter mir her ziehen.
Als ich in der Schule ankam, legte ich mich auf meinen Koffer und schlief ein.
"Bruder?" Ich öffnete meine Augen und sah Joes Gesicht.
"Oh, hi." Langsam stand ich auf und brachte meine Haare in Ordnung.
"Wir müssen in den Bus. Komm schon."
Der Busfahrer nahm uns die Koffer ab und ließ uns einsteigen.
Joe setzt sich neben Filipe, toll. Da wollte ich sitzen. Dann musste ich wohl auf einem leeren Platz sitzen. Besser alleine.
"IST HIER NOCH FREI?" brüllte mir Kevin ins Ohr, der nervigste Typ aus der Klasse.
"Erstens: ja. Zweitens: ich bin nicht taub." Klärte ich ihn auf und rutschte zum Fensterplatz rüber.
"Cool oder? Wir fahren nach Holland!" Warum laberte er mich nun dicht?
"Jepp." Antwortete ich und steckte mir die Kophörer in die Ohren.
Endlich entspannen und schlafen. Dafür war die Zeit da. Einfach mal abschalten und abwarten was kommt.
Bevor ich meine Augen schloss, schielte ich zu meinem Sitznachbarn rüber, der tatsächlich noch am labern war.
Aus Höflichkeit, machte ich die Musik leiser und fragte ihn was er grade wollte.
"Ich hab gefragt mit wem du auf einem Zimmer bist? Und wie lange du Musik machst und warum du mich nicht auch mal zu DSDS eingeladen hast?"
Alteeeeeeer, halts Maul.
"Ich bin mit Filipe und Joe auf einem Zimmer, Fabian kommt vielleicht auch mit." Die restlichen Fragen ignorierte ich einfach.
"Ich bin auch bei euch." Er grunzte beim Lachen wie ein Schwein. Gott, warum?
Nach vielen Stunden waren wir endlich da. Jeder von uns bekam Schlüssel für sein eigenes Appartment. Yes.
Filipe, Joe, Fabi, ich und ....Kevin. Keine Traumgruppe, aber okay. Immerhin waren meine Kumpels bei mir.
Als wir das Appartment betraten, sahen wir uns erstmal um. Okay, es war kein Traum, es war auch nicht schön, aber es könnte reichen.
Alles schien okay zu sein, bis Filipe anfing Stress zu schieben.
"Hochbetten. Ich schlaf unten." Er schmiss sich auf das untere Bett.
"Blödmann, ich will unten schlafen." Ich verschränkte meine Arme und sah meinen Kumpel sauer an.
"Schlaf doch oben, wo ist das Problem?" Fragte er mich lachend.
"Nein, da sind Spinnen! Die krabbeln nachts in meinen Mund." Bei der Vorstellung bekam ich eine Gänsehaut.
"Spasti. Als ob. Dann mach den Mund zu." Er lachte wieder.
"Will unten schlafen." Ich war sauer.
"Du bist so ein Kleinkind. Ehrlich. Werd glücklich damit." Er machte das untere Bett frei und kletterte hoch. "Ich hoffe das Bett hält mich nicht aus und ich flieg nachts auf dich drauf."
Warum hasste ich ihn grad so sehr???
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